Im Laufe meiner Masterarbeit habe ich mich mit den Schwerpunkten Farbe, Ornament, Material, Figuration, Abstraktion und Malerei auseinandergesetzt. Doch während ich nach diesen auf der Suche war, wurde mir immer bewusster, dass ich sie nur in dem Rahmen finden und definieren kann, durch den ich durchsehe. Sobald sich der Rahmen erweitert und der Horizont sich ausdehnt, ändert sich auch das Verständnis davon was diese Begriffe sind und wie mit ihnen umgegangen werden kann. Somit kann es nur dann umfassend behandelt werden, wenn gleichzeitig das Verständnis was eigentlich Malerei und im Großen die KUNST selbst ist, hinterfragt wird. Dieser sehr wesentliche Aspekt wurde mir selber im Laufe meiner Arbeit immer bewusster. Der Rahmen durch den man sieht und Urteile fällt ist unbeständig und befindet sich im permanenten Wandel - ganz gleich dem Wandel der Zeit. Wie sollte es anders sein?


Malerei kann auch die Skizze sein, da sie die Innigkeit und Absicht des Moments ausdrückt. Während der Hagebuttenteebeutel die Leinwand berührt oder der Pinsel in der linken Hand fast unkontrolliert über die Oberfläche gleitet entsteht eine Begegnung. Diese Begegnung ist Malerei. Dabei kann die Malerei sowohl einem strengen Konzept unterworfen werden, als auch aus der Unvollkommenheit und Unmittelbarkeit des Lebens selbst entstehen. Im letzteren Fall ist auch sie womöglich genauso unvollkommen und unmittelbar wie das Leben selbst - dafür aber echt.

Ein Ornament kann dabei eine einfache Verzierung an der Fassade sein, ein dekoratives Muster im Bildhintergrund oder sich wiederholende Zeichen, die magisch spirituelle Bedeutung tragen. Es kann genauso gut selbst Kunstausdruck sein und sich alleine als Aussage präsentieren. Die wiederholenden Windungen im Baumstamm oder das Muster im Inneren der Tomate ist auch ornamental. Wird der Rahmen erweitert und der Horizont mit dem Zeitgeist in Richtung Postmoderne ausgedehnt, so wird ersichtlich, dass auch der Prozess des Schneeflockenfalls oder des Wolkenvorbeiziehens ornamentalen Charakter in sich trägt. Und was sind Gedanken? - Nicht auch ein Ornament? Vor dem Grund der Stille taucht das Muster der Gedanken im Inneren des Menschen immer wieder auf und taucht dann ab. Auch ein Muster vor Grund! Wären dann Gedanken eine Form der Kunst?

Die Farbe kann aus der Tube gepresst sein und dann auf der Palette wieder und wieder gemischt werden. Sie kann aber auch rein aufgetragen werden und so ihren eigenen Charakter offener präsentieren. Doch was passiert, wenn die Farbe gar nicht aus der Tube kommt, wo sie künstlich erzeugt wurde, sondern direkt aus der Natur - ihrem Ursprung? So können zum Beispiel gelbe Blätter die Farbe gelb auf natürliche Weise zeigen und dem Künstler als Mittel dienen. Genauso wie es die Tubenfarbe tut.

Ähnlich verhält es sich mit dem Material. Einerseits können Materialien aus der Natur „nachgemalt“ werden, im Sinne der Mimesis, andererseits können Materialien selbst aufgebracht werden und damit einen völlig anderen Blick auf sich gewähren lassen. Dabei ist es auch möglich, dass sich ihre Funktion ändert und den Betrachter auf eine ungewohnte Weise berührt. Materialien sind aber auch Träger, die das zu Präsentierende zeigen. Im Laufe der Kunstgeschichte haben auch diese Träger den Mut bewiesen ihre eigene Materialität zur Schau zu stellen. Begriffe, Sphären und gewohnte Denkweisen werden mit diesem Akt hinterfragt und verändert.

In Anbetracht der gezogenen Schlüsse, ist es nicht schwer zu erkennen welche Freiheit der Kunstentwicklung gegeben wird. Es wird ihr erlaubt:

ECHT zu sein.

Das ECHTE Material, das nun an der Leinwand klebt, anstatt dessen Nachbildung. Die ECHTE Farbe der Natur, anstatt der chemisch Hergestellten, die ECHTE Wahrnehmung des (Lebens)musters, anstatt dem nur schmückendem Beiwerk.

Betrachten wir das Wort Kunst. - künstlerisch - künstlich.

Künstlich! - Die Kunst ist im Vergleich zur Natur künstlich. Und dazwischen gab es bis „vor kurzem“ noch eine Grenze, die die beiden von einander getrennt hat.

Doch in der Bewegung Richtung Gegenwart verschwindet das Künstliche als eine dogmatische Forderung immer mehr.

Der Begriff Kunst scheint sich dabei zu transformieren. Ist Kunst, von dessen Kern das Wort künstlich abzuleiten ist, denn noch Kunst, wenn diese nicht mehr künstlich ist? Und was passiert DANN?

unterworfen. Zwischen Impuls uns Ausführung klemmt sich noch der

Plan-Prozess dazwischen. Genau dieser Plan-Prozess zerstört die Unmittelbarkeit des Gesehenes, Empfundenes, Aufgenommenes. Des Zauber des Moments tauscht sich aus gegen ein rationalisiertes Vorhaben. Der Moment in dem die Berührung des Pinsels die Leinwand findet, ereignet sich genau in dem Augenblick, in dem die Außenwelt die Innenwelt inspiriert. Dieser Moment ist einmalig. Er kann nicht wiederholt, verkleinert, vergrößert, projiziert oder nochmals übertragen werden. Denn das wäre in jedem Fall nur eine Kopie.

 

Ist ein Impuls kopierbar? 

 

Warum sollte das Bessere gegen das Gute eingetauscht werden? Welchen Wert, welchen Vorteil und Sinn hätte diese Aktion?

Wenn die Skizzen gelungener, also qualitativ anhand künstlerischen

Bewertungskriterien besser sind, warum sollten sie dann nicht vorgezogen werden? Wenn die Postmoderne dem Künstler die Freiheit schenkt, jedes Format, jede Form, jedes Vorhaben in Kunst verwandeln zu können, dann kann an dieser Stelle die Skizze nicht nur als genauso gute Kunst, sondern sogar als bessere Kunst überzeugen.